Jihadisten-Post aus Wiener Gefängniszelle?
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Es war eine Premiere für das österreichische Justizsystem: Im „Wiener Terrorprozess“ wird im März 2007 Mohamed M. als erster Angeklagter nach den neuen Anti-Terror-Gesetzen zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte Propagandavideos im Netz verbreitet, in denen er Österreich zum Abzug seiner Truppen aus Afghanistan aufforderte und zu Anschlägen während der Fußball-Europameisterschaft aufrief.
Die Justiz sah darin die „Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung“ sowie „Nötigung der Bundesregierung“. Aufsehen erregte vor allem seine Frau Mona S., die sich bis zuletzt geweigert hatte, ihren Schleier vor dem Richter abzunehmen.
Seine Haftstrafe in der Wiener Justizanstalt Simmering ist nun vorbei. Ein islamistischer Blog verkündete am Mittwoch, dass Mohamed M. bereits am Dienstag das Gefängnis verlassen hat und in Freiheit ist. Justizkreise bestätigten gegenüber KURIER.at die Entlassung. Mohamed M. hat seine Strafe abgesessen.
Die Zeit im Gefängnis dürfte M. allerdings nicht davon abgehalten haben, weitere einschlägige Nachrichten an die Außenwelt zu versenden. Ganz im Gegenteil: Seit Monaten tauchen in Jihadisten-Foren Propagandaschriften auf, die mit Mohammed M.s Namen gezeichnet sind. Im Juni 2011 erscheint etwa: „Allahs Scharia wird von der verfaulten Demokratie ersetzt. Die Tawaghit (in etwa: „illegitime staatliche Behörden“) nehmen sich das Recht der Gesetzgebung, das nur Allah zusteht und erfinden Gesetze, die Allahs Urteilen widersprechen.“ Ob die Schriften tatsächlich von M., aus seinem Umfeld oder einem Trittbrettfahrer stammen, konnte nicht verifiziert werden. Anfragen bei ihm und seinem Anwalt blieben bis zu Redaktionsschluss unbeantwortet.
Ein Propagandastück der Islamisten ging indes nach hinten los: In einem Blog war angekündigt worden, dass Mohamed M. ausgerechnet am 11. September, dem Jahrestag der Anschläge in New York, entlassen werden würde. Bloß: Der Tag fiel auf einen Sonntag. An Wochenenden werden in Österreich keine Häftlinge entlassen.
Chronologie: „Wiener Terrorprozess“


